Ein Podcast im Literaturportal Bayern
Veröffentlicht am 21.08.2026 / 14:00
„Ich brauche die Balance zwischen Brotjob und literarischem Schreiben“
In Folge 1 spricht Thomas Steierer mit der Schriftstellerin Annegret Liepold und dem Autor, Kulturjournalist und Literaturkritiker Andreas Bernard über schwierige Schreibanläufe, die Balance zwischen Brotjob und Zeit fürs literarische Schreiben und worauf es heutzutage beim Veröffentlichen teilweise ankommt: dass manche Schreibende Literaturagenturen erst kontaktieren, wenn sie 50.000 Follower auf Social Media haben.
Zudem kommt die Abbildbarkeit von Erlebtem zur Sprache, und Annegret und Andreas sprechen über Romane, die sie nachhaltig beeindruckt und geprägt haben: darunter „Madame Bovary“ von Gustave Flaubert, „Menschenkind“ (engl. Originaltitel „Beloved“) von Toni Morrison, „Allegro Pastell“ von Leif Randt sowie die Werke von Roland Barthes (u.a. „Tagebuch der Trauer“ und „Fragmente einer Sprache der Liebe“), Walter Benjamin und Georges Simenon.
Leserinnen und Leser erklären anhand ihrer Lieblingsromane „Die Vegetarierin“ von Han Kan, „Auf allen Vieren“ von Miranda July und „Die Korrekturen“ von Jonathan Franzen, worauf es für sie literarisch ankommt.
Gäste:
Annegret Liepold (*1990 in Nürnberg) studierte Komparatistik und Politikwissenschaften in München und Paris. Sie arbeitet im Münchner Literaturhaus und hatte eine Schreib-Residency in der Monacensia inne. Für ihre literarischen Texte sowie ihren Debütroman „Unter Grund“ (2025) wurde sie mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Literaturstipendium der Landeshauptstadt München und dem Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals.
Andreas Bernard (*1969 in München) ist Autor, Journalist und Kulturwissenschaftler. Nach Stationen bei der SZ, FAZ und DIE ZEIT schreibt er heute für den SPIEGEL. Zudem lehrt er als Professor an der Leuphana Universität Lüneburg. Er veröffentlichte u.a. den Roman „VORN“, seine Dissertation über die Geschichte des Aufzugs sowie die autobiografischen Bücher „Wir gingen raus und spielten Fußball“ und „Der Trost der Flipper“.
01:26 – Schreibmotivation & Anfänge
Annegret Liepold über Schreibanlässe (Aufwachsen auf dem Land, Dorfleben, Nazitreffen), literarische Anfänge an der Bayerischen Akademie des Schreibens und Hürden beim Finden der passenden Form.
10:19 – Lesung aus „Unter Grund“
Annegret Liepold liest aus ihrem Romandebüt: Protagonistin Franka besucht das Grab ihres Vaters und erinnert sich an ihn sowie ihre Großmutter („Die Füchsin“).
14:29 – Literaturkritik & Brotjob
Andreas Bernard über Bewertungskriterien von Literatur, die Balance zwischen Journalismus und freiem Schreiben sowie seine ersten Notizen zwischen den Zeilen von Peter Handkes „Das Gewicht der Welt“.
24:54 – Lesung aus „Laufende Ermittlungen“
Andreas Bernard liest über den Verlust der alten Telefonnummer nach dem Tod seines Vaters.
29:10 – Kritik, Mut & Social Media
Austausch über Literaturkritik und Schriftstellerei auf Augenhöhe, finanzielle Unsicherheit im Autorinnenberuf und die zunehmend strategische Ausrichtung (z.B. Followerzahlen).
32:43 – Romanprojekt „Immer weiter“
Thomas Steierer stellt sein tragikomisches Projekt vor. Andreas Bernard ergänzt augenzwinkernd: Bei realen Vorbildern im Roman braucht man manchmal einen guten Anwalt.
34:25 – Das Ringen um die Balance
Kurze Fortsetzung der Diskussion von Annegret Liepold und Andreas Bernard über die Balance zwischen Broterwerb, Schreibzeit und finanzieller Absicherung.
35:46 – Leser-Stimmen
Evi und Michael berichten anhand von Romanen (Han Kan: „Die Vegetarierin“, Miranda July: „Auf allen Vieren“, Jonathan Franzen: „Die Korrekturen“), was eine packende Geschichte und gute Sprache für sie ausmacht.
39:32 – Prägende Bücher & die Grenzen des Schreibens
Annegret Liepold und Andreas Bernard sprechen über prägende Werke von Autorinnen und Autoren (Gustave Flaubert, Toni Morrison, Leif Randt, Roland Barthes, Walter Benjamin, Georges Simenon) und diskutieren über die Darstellbarkeit von Trauer und Autofiktion.
48:58 – Verabschiedung
Danksagung und Ausklang der Folge.
Folge 2 wird am 18. September 2026 zu hören sein.