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Ein Podcast im Literaturportal Bayern

Folge 3: Schreiben und Lesen als Lebenselixier

„Mit dreizehn, vierzehn war klar, ich möchte Autorin werden“

Veröffentlicht am 16.10.2026 / 11:05

Anmerkungen

In Folge 3 spricht Thomas Steierer mit der Schriftstellerin, Lyrikerin und Kulturpreisträgerin Nora Gomringer und dem Münchner Buchhändler Thomas Vogelsang über die biografischen und emotionalen Ursprünge des Schreibens, die Herausforderungen bei der Arbeit an einem ersten Roman über die eigene Familie sowie den unternehmerischen und gesellschaftlichen Alltag des unabhängigen Buchhandels. Thematisiert werden zudem die Professionalisierung im Literaturbetrieb, der Umgang mit Erinnerungen als fluidem Material, die veränderten Bedürfnisse von Kundinnen und Kunden sowie die Bedeutung des persönlichen Austauschs zwischen Autorschaft und Buchhandel. Ergänzt wird das Gespräch durch eine Lesung Nora Gomringers aus ihrem Debütroman „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“, einen Einspieler-Beitrag der Leserin Silke zu ihren literarischen Präferenzen sowie durch literarische Entdeckungen und Empfehlungen der Gäste Nora Gomringer und Thomas Vogelsang.


Gäste:

Nora Gomringer (*1980 in Neunkirchen/Saar, aufgewachsen in Oberfranken) ist Schriftstellerin, Lyrikerin und Spoken-Word-Künstlerin. Sie studierte Amerikanistik, Germanistik und Kunstgeschichte in Bamberg. Für ihr Werk erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2015 den Ingeborg-Bachmann-Preis für den Prosatext „Recherche“ sowie 2025 den Kasseler Literaturpreis für grotesken Humor. 2025 erschien ihr Prosadebüt „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“. Seit 2010 leitet sie als Direktorin das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia in Bamberg. 


Thomas Vogelsang (*1970 in München) studierte Germanistik und Geschichte. Nach einigen Jahren als angestellter Buchhändler machte er sich 2005 selbstständig und eröffnete die Buchhandlung „Buch und Töne“ im Münchner Stadtteil Haidhausen. Mittlerweile betreibt er vier Standorte in München, das Stammhaus in Haidhausen, die „Auslese“ nebenan, eine Filiale im Univiertel in der Maxvorstadt sowie einen Standort am Rindermarkt. 


(03:20) – Vom Suchen und Finden der eigenen Sprache 


Nora Gomringer spricht über ihre literarisch geprägte Kindheit als Tochter des Dichters Eugen Gomringer, ihren frühen Entschluss im Jugendalter, Autorin zu werden, sowie über den tiefen Einschnitt durch den Tod ihrer Mutter im Dezember 2020, der den emotionalen Anstoß für ihr Romandebüt gab. 


(06:37) – Erinnerung als fluidem Material und das Lektorat 


Nora Gomringer gibt Einblicke in die Schwierigkeiten beim Verfassen eines längeren Textes ohne klassischen Plot, den Umgang mit realen Personen im Text, die redaktionelle Unterstützung durch Lektor Helge Pfannschmidt, ihren gezielten Einsatz einer Sensitivity Readerin sowie ihre aktuellen Schreibprojekte und künftigen Publikationen. 


(15:24) – Professionalität im Literaturbetrieb und das Amt in der Villa Concordia 


Nora Gomringer plädiert für Zuverlässigkeit, korrekten E-Mail-Umgang und ein professionelles Auftreten hinter den Kulissen. Zudem erläutert sie die klare Trennung ihrer künstlerischen Arbeit von ihrer Leitungsfunktion als Behördenleiterin des Künstlerhauses Villa Concordia, wobei sie versucht, den kreativen Gästen eine gute und produktive Zeit in Bamberg zu ermöglichen.


(20:56) – Lesung aus „Am Meerschwein übt das Kind den Tod“ 


Nora Gomringer liest eine Passage aus dem Kapitel „Altes Gerät“ über den Verlust vertrauter Haushaltsrituale nach dem Tod der Mutter und das symbolische Ableben des alten Kühlschranks.


(24:54) – Der Buchhandel als Basisdemokratie und unternehmerisches Risiko 


Thomas Vogelsang blickt auf über 20 Jahre Selbstständigkeit zurück, schildert die skeptischen Reaktionen von Banken bei der Geschäftseröffnung im Jahr 2005 („Wer liest denn heute noch?“), die zeitliche Belastung durch Vertreterreisen sowie die physische und mentale Anforderung einer 60-Stunden-Woche. 


(38:34) – Wandel der Kundenbedürfnisse und das Miteinander im Laden 


Thomas Vogelsang berichtet von der aktuellen Nachfrage nach leichterer Lektüre zur Zerstreuung angesichts der Weltlage, den ständigen Spagat zwischen wirtschaftlichem Druck und persönlicher Beratung sowie den Umgang mit Kundenerwartungen und fehlendem Dank mancher Autorinnen und Autoren nach Lesungen. 


(39:20) – Über Buchhändler und Schriftstellerinnen 


Nora Gomringer erzählt, dass sie von einem Buchhändler in Bamberg entdeckt wurde als Autorin und ist auch sehr dankbar, dass Buchhändlerinnen und Buchhändler für sie aufwändige Lesungen organisieren. Thomas Vogelsang schätzt an Schriftstellerinnen und Schriftstellern sehr die Begabung, die großen Themen der Zeit auf eine individuelle Geschichte wortmächtig herunterzubrechen, und würde sich von manchen Literaturschaffenden etwas mehr Dankbarkeit im Bezug auf seinen Büchertisch wünschen.


(47:25) – Leserin-Stimme 


Die Leserin Silke stellt anhand ihrer Lektüre von Joanna Bators Familiensaga „Bitternis“ und Elif Shafaks historischem Roman „Am Himmel die Flüsse“ ihre Präferenzen für komplexe Figuren, generationsübergreifende Traumata und dichte, bildhafte Sprache vor. 


(52:33) – Literarische Entdeckungen und Ausblick 


Zum Abschluss teilen die Gäste ihre Lektüreerfahrungen und sprechen über prägende Werke wie Gustavo Favoráns Roman „Patria o...“ und Madeleine Millers mythologische Nacherzählung „Circe“.


(58:59) – Verabschiedung und Danksagung 


Folge 4 wird am 27. November 2026 zu hören sein.